Kollegiatstift St. Verena Zurzach
Heutige Nutzung
Das Verenamünster ist ein Wallfahrtsort, der insbesondere am Gedenktag der heiligen Verena (1. September) bis heute Gläubige anzieht. Seit den 1980er Jahren zieht der Wallfahrtsort viele Angehörige der koptisch-orthodoxen Kirche an, was damit zu erklären ist, dass Verena aus Ägypten stammte und sie somit unter ägyptischen Christen stark verehrt wird. Verena gilt seit 2003 neben den Heiligen Ursus und Victor als dritte Patronin des Bistums Basel. Die Kirche gehört der Katholischen Kirchgemeinde und dient religiösen Veranstaltungen.
Bad Zurzach von Süden mit der prominent eingezeichneten Stiftskirche St. Verena. Kupferstich von Matthäus Merian.
Geschichte
Ab wann die Verenaverehrung im Römerkastell bei Zurzach einsetzte, ist nicht genau zu bestimmen. Jedenfalls entstand ausserhalb des Kastells auf einem römischen Gräberfeld um 740/750 eine Mönchsgemeinschaft, über deren Regel nichts bekannt ist. Das Kloster gehörte ab ca. 900 zum Benediktinerkloster Reichenau (Deutschland) und wurde 1265 an den Konstanzer Bischof verkauft. Zu diesem Zeitpunkt hat die Umwandlung des Klosters zu einem Kollegiatstift bereits stattgefunden.
Das Stift Zurzach hatte unter Reformation und Bildersturm (1529) sowie unter Plünderungen während der Villmergerkriege (1656 und 1712) zu leiden. Auch die Beschlagnahmung des Kirchenschatzes und der vorübergehende Entzug der Selbstverwaltung 1798 durch die helvetischen Behörden beeinträchtigten die Entwicklung. So wurde das Stift im 19. Jahrhundert in eine Anstalt für pensionierte Priester umgewandelt und einige Jahrzehnte später 1876 aufgehoben. Die Kirche ging 1882 an die Katholische Kirchgemeinde über.
Architektur und Anlage
Über dem Grab der heiligen Verena wurde schon im 5. Jahrhundert eine erste Kirche gebaut, die in den römischen Strassenraum hineinragte und die Verlegung der Strasse erzwang. Dieser Bau wurde im Mittelalter mehrfach umgebaut und vergrössert. Die Hauptstrasse macht daher bis heute einen Bogen um den Stiftsbezirk. Zu diesem Bezirk gehörten auch Häuser, die um die Verenakirche angeordnet waren und die von den Chorherren bewohnt wurden. Ein Teil dieser Chorherrenhäuser wurde 1883 abgebrochen, andere stehen heute noch (z.B. die ehemalige Propstei, Hauptstrasse 40). Die unmittelbar neben der Verenakirche stehende Obere Kirche diente vor 1876 als Pfarrkirche (heute Veranstaltungsraum). Sie wurde zwischen 1529 bis 1717 von beiden Konfessionen als Gotteshaus genutzt.
Das Verenamünster ist ein besonderer Kirchenbau, bestehend aus einem romanischen Langhaus (10. Jahrhundert) und einem gotischen Chorturm (14. Jahrhundert). Von 1733 bis 1737 wurde die Kirche von Johann Caspar Bagnato aus Ravensburg barockisiert. In der Krypta befindet sich der Verena-Sarkophag mit einer Relieffigur von 1613.
