Kollegiatstifte
Merkmale
Die Mitglieder eines Kollegiatstifts (auch Chorherrenstift) werden Kanoniker oder Chorherren genannt. Es handelt sich dabei um Priester, die an einer Stiftskirche einen gemeinsamen Gottesdienst und das Stundengebet pflegen. Im Gegensatz zu den klassischen Orden gibt es keine einheitliche Chorherrenkleidung. Diese kann sich von Kollegiatstift zu Kollegiatstift unterscheiden. Auch sonst bestehen einige Unterschiede zur Lebensweise anderer Ordensgemeinschaften: Chorherren leben nicht in einer Klausur. Da sie meist in der Seelsorge ausserhalb der Stiftskirche tätig sind, passt eine weltabgewandte, klösterliche Lebensweise nicht zu ihnen. Der Vorsteher eines Kollegiatstifts wird Propst genannt.
Ein Kollegiatstift besteht in der Regel aus einer Stiftskirche und aus Wohnhäusern für die Chorherren, die rund um die Kirche angeordnet sind. Im 17. und 18. Jahrhundert galten Kollegiatstifte meist als Zentren der barocken Kultur.
Geschichte
In der heutigen Schweiz wurden seit dem 8. Jahrhundert Kollegiatstifte gegründet (z.B. St. Leodegar in Schönenwerd SO). Eine eigentliche Gründungswelle setzte aber erst im 12. und 13. Jahrhundert ein. In dieser Zeit wurden auch die Aargauer Kollegiatstifte St. Martin in Rheinfelden (1227), St. Mauritius in Zofingen (vor 1201) und St. Verena in Zurzach (vor 1265) gegründet. Das Zurzacher Kollegiatstift entstand durch Umwandlung eines älteren Benediktinerklosters. Die jüngste Gründung eines Kollegiatstifts im Aargau war Mariä Himmelfahrt in Baden, das 1624 durch die Stadt Baden gegründet wurde, um die Abhängigkeit vom nahen Zisterzienserkloster Wettingen zu reduzieren.
Abgesehen von demjenigen in Zofingen, das während der Reformation 1528 aufgehoben wurde, erfolgt die Aufhebung der Aargauer Kollegiatstifte in der Zeit des Kulturkampfes zwischen 1870 und 1876. Die Stifte in Bad Zurzach und in Rheinfelden wurden im 19. Jahrhundert durch den Kanton aufgehoben, dasjenige in Baden durch die Ortsbürgergemeinde.