Benediktinerinnenabtei Hermetschwil
Heutige Nutzung
Die im Kloster Hermetschwil lebenden Benediktinerinnen bezeichnen ihren Grundauftrag im beständigen Gotteslob und in der wahrhaftigen Gottessuche. Täglich wird ein Gottesdienst gefeiert und mehrmals pro Tag das Stundengebet gehalten. Die Klosterkirche ist zugleich Pfarrkirche der Pfarrei Hermetschwil-Staffeln.
Die Schwestern tragen durch ihre Arbeit im Garten, in Hauswirtschaft oder Administration und in der Hostienbäckerei zum Lebensunterhalt der Gemeinschaft bei. Über das Backen von Hostien sind die Schwestern mit zahlreichen Pfarreien der näheren und weiteren Umgebung verbunden. Daneben führt die Gemeinschaft ein Gästehaus für Menschen, die einen Ort der Stille suchen. Der grosse Klostergarten mit Obstanlagen dient sowohl der Selbstversorgung als auch der Herstellung von Produkten, die im Klosterladen verkauft werden (Teesorten, Salben etc.).
Ein Teil der Klosteranlage (ehemalige Pfisterei und Scheune) gehört heute zur Stiftung Kinderheim St. Benedikt, die vom Kloster unabhängig ist.

Zeichnung von Johann Rudolf Rahn, 1859. ZB Zürich, Rahn IV, 9, https://doi.org/10.7891/e-manuscripta-26363.
Blick durch das Klostertor auf den Archivturm im Westflügel des Klosters.
Geschichte
Das Kloster Hermetschwil wurde um 1083 in Muri gegründet. Der Frauenkonvent ergänzte das Männerkloster in Muri, das somit vorübergehend ein Doppelkloster war. Ende des 12. Jahrhunderts wurde der Frauenkonvent von Muri nach Hermetschwil verlegt. Die Klosterfrauen verblieben jedoch bis zur Erhebung zur Abtei 1636 unter voller Abhängigkeit von Muri. Die im Mittelalter eintretenden Frauen stammten zumeist aus dem Landadel oder aus städtischen Bürgerfamilien. Im 17. Jahrhundert folgte für das Kloster eine Blütezeit, die zu zahlreichen Baumassnahmen führte.
Das Frauenkloster wurde im Aargauer Klosterstreit 1841 aufgehoben, was schon zwei Jahre später wieder rückgängig gemacht wurde. Eine zweite Aufhebung durch den Grossen Rat des Kantons Aargau erfolgte 1876. Zwar musste nun der Sitz des Klosters nach Habsthal (Deutschland) verlegt werden, doch verblieben wenige Schwestern in Hermetschwil. Erst 1973, nachdem eine Änderung in der schweizerischen Bundesverfassung Klostergründungen wieder zuliess, konnte der Sitz nach Hermetschwil zurückverlegt werden. In den ehemaligen Ökonomiegebäuden wurde 1878 ein Waisenheim gegründet, welches heute noch als Kinderheim St. Benedikt besteht.
Architektur & Anlage
Über das Aussehen des mittelalterlichen Klosters ist fast nichts bekannt. Die heutige, unter Denkmalschutz stehende Klosteranlage ist Produkt einer umfassenden Bauphase zwischen 1569 und 1727.
Die Anlage besteht aus mehreren Gebäuden, die von einer trapezförmigen Ringmauer umgeben sind. Das Herz der Anlage bilden die spätgotische Klosterkirche und die daran anschliessenden Konventsgebäude, die einen Innenhof mit Kreuzgang umschliessen. Im Chor der Kirche steht ein spätgotisches Chorgestühl (15. Jahrhundert), das im 17. Jahrhundert durch eine zweite Sitzreihe und eine figürliche Bemalung ergänzt wurde.
Wer durch das Klostertor in den verwinkelten Klosterhof eintritt, dem fällt zunächst der Archivturm auf, der seit 1673 dem Westflügel des Konventsgebäudes vorgelagert ist. Vom Klosterhof aus sind die meisten Wirtschaftsgebäude (z.B. Pfisterei, Klosterscheune, Pächterhaus) zu sehen. Die Pfisterei und die Klosterscheune, die heute zum Kinderheim gehören, wurden im 20. Jahrhundert neu gebaut.