Benediktinerabtei Muri-Gries
Heutige Nutzung
Die Abtei Muri-Gries in einem Stadtteil von Bozen (Italien) ist von Benediktinern belebt. Die Mönche arbeiten in der Seelsorge und Kirchenmusik und sie sind auch in der Schweiz anzutreffen. Wenige Mönche halten sich im Benediktiner-Kollegium Sarnen OW auf. Von Sarnen aus betreut einer von ihnen als Spiritual die Benediktinerinnen in Hermetschwil.
Das Kloster führt mehrere Betriebe mit landwirtschaftlichem Schwerpunkt. Am bekanntesten ist die Kellerei, die auf einer langen Weinbautradition aufbaut. Das Kloster besitzt im Südtirol aber auch mehrere Apfelanlagen sowie einen Milchviehbetrieb. Direkt neben den Klostergebäuden findet sich das Studentenheim Haus St. Benedikt, das bis zu 70 Studierenden eine Unterkunft bietet. Zudem ist im Turm der Klosteranlage ein Krippenmuseum mit Krippen aus den letzten drei Jahrhunderten beheimatet.
Die Abtei Muri-Gries mit Rebstöcken im Hintergrund, ohne Datum und Urheber (gedruckt bei Benzinger Verlag).
Geschichte
Als die Benediktiner 1845 aus dem aargauischen Muri nach Gries bei Bozen übersiedelten, befand sich hier bereits eine ältere Klosteranlage. Das um 1165 gegründete Augustinerchorherrenstift Gries bewohnte bis zu seiner Aufhebung 1807 das Kloster direkt am Dorfplatz von Gries. Die aargauischen Mönche erhielten diese Anlage dank guter Beziehungen zum österreichischen Kaiserhaus (das Südtirol gehörte bis 1918 zu Österreich-Ungarn). Trotz der Klosterverlegung sind bis heute immer viele Schweizer in die Südtiroler Abtei Muri-Gries eingetreten.
Das Kloster ist eine Besonderheit. Denn in kirchenrechtlicher Hinsicht existiert die Abtei Muri in Gries weiter, wo der Abt zugleich Prior von Gries ist und wo zivilrechtlich der Hauptsitz des Klosters ist. Die seit dem 17. Jahrhundert bestehende Zugehörigkeit zum Verband der Schweizer Benediktiner (Schweizerische Benediktinerkongregation) wurde auch nach der Verlegung nach Gries nicht aufgeben.
Architektur und Anlage
Die Klosteranlage in Gries war nicht immer ein Kloster, sondern ursprünglich eine mittelalterliche Burg. Der burgähnliche Charakter mit einem markanten Turm und den in Form einer Ringmauer angeordneten Konventsgebäuden ist noch heute gut erkennbar.
Die Augustinerchorherren erhielten die Burganlage 1406 geschenkt, nachdem der frühere Standort des Klosters in der Nähe des Flusses Eisack oft überschwemmt wurde. Die Augustiner bauten die Burg- in eine Klosteranlage um, indem etwa ein Kreuzgang eingebaut wurde. In spätbarockem Stil wurde von 1769 bis 1771 die Klosterkirche mit einer schwungvoll gerundeten Fassade neugebaut. Die Deckenfresken der Kirche stammen von Martin Knoller (1725–1804), einem der bedeutendsten Freskomalern im süddeutsch-österreichischen Raum seiner Zeit. Die ältere gotische Kirche wurde nach dem Bau der Barockkirche aufgegeben. Darin befindet sich heute ein Bibliotheksraum in neogotischem Stil.
