Zisterzienserinnenabtei Gnadenthal

Heutige Nutzung

Die frühere Klosteranlage dient seit 1894 der Pflege und Betreuung. Heute handelt es sich beim «Reusspark» um ein führendes Geriatriezentrum im Kanton Aargau mit rund 300 Betten. Es führt ein umfassendes Angebot in der Langzeitpflege und bietet Menschen mit altersbedingten Beschwerden ein Zuhause.

Zur Ergänzung der Klostergebäude wurden in den 1970er Jahren Neubauten errichtet, die von einer grosszügigen Parkanlage umgeben sind. Zum «Reusspark» gehören weiter ein Restaurant, ein Kleintierpark und ein Schaugewächshaus. Träger ist der Verein Gnadenthal, der am Ort auch kulturelle Veranstaltungen (Konzerte, Ausstellungen, Vorträge etc.) anbietet. Das Museum Gnadenthal widmet sich der Geschichte des Klosters Gnadenthal und der Pflegegeschichte vor Ort.

Geschichte

Seit ungefähr Mitte des 13. Jahrhunderts dürfte in Niederwil an der Reuss eine Frauengemeinschaft (Beginen) existiert haben. Diese übersiedelte zwischen 1279 und 1282 nach Basel, wo sie ein neues Kloster namens Gnadenthal gründeten. An der Reuss hat sich bald wieder eine vom Zisterzienserkloster Wettingen betreute Frauengemeinschaft gebildet, welche ab 1310 als Zisterzienserinnen belegt sind. Das Kloster hatte im Laufe seiner Geschichte mehrfach mit Unglücken (Brände 1432 und 1608 sowie Plünderung 1712) und Misswirtschaft zu kämpfen. Die Überführung der Reliquien der heiligen Justa aus Rom 1665 machte das Kloster Gnadenthal zu einem beliebten Wallfahrtsort. Zunächst nur vorübergehend aufgehoben (1841–1843) folgte nach dem Tod der letzten Priorin 1876 die endgültige Aufhebung durch die Aargauer Regierung. Die letzten Klosterfrauen zogen ins Kloster Eschenbach LU.

1876 wurde in den alten Mauern zunächst eine Tabak- und Zigarrenfabrik eingerichtet. Dieser war jedoch kein Erfolg beschieden, weshalb 1894 ein Komitee die Anlage zur Einrichtung eines Pflegeheims kaufte. Bis 1992 wurde dieses von Ingenbohler Schwestern betreut.

Architektur und Anlage

Vom mittelalterlichen Kloster ist aufgrund der Brände 1432 und 1608 nichts übriggeblieben. Die heutige frühbarocke Anlage wurde bis 1616 errichtet und die Kirche mit ihrem markanten Dachreiter (kleiner Turm mit Zwiebelhaube) bereits Ende des 17. Jahrhunderts erweitert. Die Kirche ist durch drei prachtvolle spätbarocke Altäre von Franz Xaver und Caspar Josef Widerkehr aus Mellingen geprägt.

Der Grundriss der Klosteranlage entspricht einem Trapez, in dessen Zentrum sich ein Innenhof mit Kreuzgang befindet. Das Kloster war um 1900 in baufälligem Zustand, weshalb in den 1920er und 1930er Jahren ein tiefgreifender Umbau stattfand. Weitere für den Pflegebetrieb nötige Um- und Neubauten erfolgten im Laufe des 20. Jahrhunderts. Neben dem Kloster befand sich früher die Reussfähre, die 1909 durch eine Strassenbücke ersetzt wurde.

Während der letzten Blütezeit des Klosters um 1700 erlangte das Kunsthandwerk der Paramentenstickerei (Herstellung religiöser Gewänder) eine überregionale Bedeutung.

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