Zisterzienserabtei Wettingen-Mehrerau

Heutige Nutzung

In der Abtei Wettingen-Mehrerau leben bis heute Mönche des Zisterzienserordens. Sie führen ein Leben des Gebets, der Arbeit und der Lesung. Als Seelsorger nehmen sie vielfältige geistliche Aufgaben wahr und begleiten Menschen auf ihrem persönlichen Glaubensweg. Im Kloster können Tagungen oder Seminare durchgeführt werden. Es verfügt über Gästezimmer für Frauen und Männer. Seit 1919 betreuen die Mönche zudem die Wallfahrtskirche Birnau nördlich des Bodensees (Deutschland).

Die Abtei führt eine private Volksschule und ein Gymnasium mit Internat, das «Collegium Bernardi». Weiter gehören zum Kloster verschiedene holz- und landwirtschaftliche Betriebe: eine Tischlerei, eine Klostergärtnerei und ein Gutshof. Mit dem «Klosterkeller» gibt es zudem ein Wirtshaus in einem ehemaligen Stall.

Geschichte

Die Zisterzienserabtei Wettingen-Mehrerau wurde 1854 durch Mönche aus der aargauischen Abtei Wettingen gegründet, die ihre Heimat 1841 aufgrund der Klosteraufhebung verlassen mussten. Doch die Geschichte des Klosterortes Mehrerau bei Bregenz ist älter: Vor den Zisterziensern lebten hier von 1097 bis 1806 Benediktiner. Nach der Aufhebung des Benediktinerklosters 1806 diente die Klosteranlage vorübergehend als Steinbruch sowie als Fabrik, bevor die Zisterzienser 1854 mit Unterstützung des österreichischen Kaisers Franz Josef I. (1830–1916) die Anlage kaufen konnten.

Wettingen-Mehrerau ist eine Territorialabtei und direkt dem Papst unterstellt. Das heisst, der Abt des Klosters darf bischöfliche Funktionen ausüben. Fast alle heutigen Schweizer Klöster des Zisterzienserordens sind der Abtei Wettingen-Mehrerau unterstellt. Dieser Klosterverband, zu dem auch Klöster in Deutschland, Italien, Tschechien, Slowenien und in den USA gehören, nennt sich «Mehrerauer Kongregation».

Architektur und Anlage

Die Klosteranlage des Benediktinerklosters Mehrerau wurde im 18. Jahrhunderts aufwendig im barocken Stil umgebaut. Von der barocken Grundkomposition hebt sich heute die Klosterkirche ab. Denn diese wurde nach 1806 abgebrochen und die Steine als Baumaterial für den Lindauer Hafen verwendet. Daher mussten die Zisterzienser von 1855 bis 1859 zuerst eine Kirche im neuromanischen Stil bauen nach Plänen von Eduard von Riedel (1813–1885), der auch für die Pläne des Schlosses Neuschwanstein in Bayern verantwortlich war. Von 1961 bis 1964 wurde die Klosterkirche umgebaut und erhielt das heutige, schlichte Aussehen.

Seit 1962 werden die Besucherinnen und Besucher der Kirche von einem monumentalen Kunstwerk zum Thema des Jüngsten Gerichts (Apokalypse) am Kircheneingang des vorarlbergischen Bildhauers Herbert Albrecht (1927–2021) empfangen. Repräsentativen Charakter haben auch der Kleine Tafelsaal und die Barockbibliothek, die zwischen 1779 und 1782 im obersten Stockwerk des Südflügels eingerichtet wurde.


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