Wilhelmitenkloster Sion, Klingnau

Heutige Nutzung

Abgesehen von den Strassennamen Klosterweg und Sionerweg erinnert nur noch wenig an das frühere Wilhelmitenkloster. Wo einst ausserhalb des Städtchens Klingnau klösterliches Leben in einer Gemeinschaft stattfand, stehen heute Wohnhäuser. Immerhin macht ein im nahen Würenlingen gekelterter Wein mit seinem Namen «Kloster Sion» eine Reverenz an das frühere Kloster.

Geschichte

1269 erhielten die Wilhelmiten in Oberried bei Freiburg i.Br. (Deutschland) die Kapelle Sion geschenkt. Die Kapelle lag nordöstlich des Städtchens Klingnau. Noch vor 1300 errichteten die Wilhelmiten Konventsgebäude und eine Kirche. Zwar gelang es dem Vorsteher (Prior) des Klosters, Johann Nöthlich, die Aufhebung während der Reformation zu verhindern. Doch da Nöthlich 1540 auch zum Abt des Zisterzienserklosters Wettingen gewählt wurde, bedeutete das faktisch eine Zusammenlegung des Klosters Sion mit Wettingen. Auch wenn diese Situation nur wenige Jahre anhielt, setzte ein allmählicher Niedergang des Klosters ein. Schliesslich wurde das Kloster Sion 1725 mit dem Benediktinerkloster St. Blasien (Deutschland) vereinigt, das 1730 im Kloster Sion ein Gymnasium eröffnete. Das nunmehrige Benediktinerkloster Sion wurde 1809 aufgehoben. Die Gebäude übernahm zuerst der Kanton Aargau, bevor sie 1837 in Privatbesitz übergingen.

Architektur und Anlage

Die ehemalige Klosteranalage ist heute kaum mehr als solche zu erkennen. Seit sie 1837 in Privatbesitz gelangte, wurden zahlreiche Baumassnahmen ausgeführt, die das Erscheinungsbild stark veränderten. Zumeist wurden die früheren Klosterbauten in Wohngebäude umfunktioniert. Zuletzt wurden 1990 die Reste der Kirche abgebrochen und durch ein Wohnhaus ersetzt. Von der Kirche sind noch Wandmalereifragmente erhalten, die heute in der Propstei Klingnau ausgestellt sind.

Archäologische Untersuchungen zeigten, dass die ursprüngliche Kapelle des 13. Jahrhunderts in seiner Form Seltenheitswert besass. Sie bestand aus einem kreisförmigen Zentralraum mit vier kreuzförmig angeordneten Nebenräumen. Solche kreuzförmigen Kapellen sind Nachbildungen der Heilig-Grab-Kirche in Jerusalem. Über dieser Kapelle haben die Wilhelmiten vor dem Jahr 1300 ihre Klosterkirche erbaut.

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