Benediktinerpropstei Wislikofen
Heutige Nutzung
Seit 1976 werden in der Propstei Wislikofen die früheren benediktinischen Werte wie Gastfreundschaft und Bildung wieder gepflegt. Die Römisch-Katholische Landeskirche Aargau betreibt seit rund 50 Jahren in der Propstei Wislikofen ein offenes Seminarhotel und Bildungshaus. Dazu gehören ein Restaurant und ein Propsteiladen, in dem Produkte mit Zutaten aus dem hauseigenen Garten verkauft werden.
Die Propsteikirche ist zugleich die Pfarrkirche des Ortes Wislikofen. In ihr finden neben Gottesdiensten auch kulturelle Veranstaltungen statt.

Kantonale Denkmalpflege Aargau.
Vedute der Propstei Wislikofen, ohne Datum.
Geschichte
Im Jahr 1113 schenkten die Herren von Waldhausen ihr Landgut in Wislikofen dem Benediktinerkloster St. Blasien. In der Folge wurde Wislikofen zu einem sankt-blasianischen Verwaltungssitz (Propstei) ausgebaut, um die umliegenden Güter und die Pfarrstellen in Wislikofen und Böbikon zu betreuen. Zu Kriegszeiten im 17. und 18. Jahrhundert hielt sich in Wislikofen eine grosse Zahl von Mönchen aus St. Blasien auf. Sie suchten südlich des Rheins Zuflucht vor den Kriegswirren. Aus diesem Grund musste die Propstei mehrfach ausgebaut und erweitert werden.
Mit der Aufhebung des Klosters St. Blasien im Jahr 1807 durch das Grossherzogtum Baden erfuhr die abhängige Propstei Wislikofen dasselbe Schicksal. Die Kirche ging zur freien Nutzung an die örtliche Pfarrei über und der letzte Vorsteher der Propstei (Propst) verblieb in Wislikofen als Dorfpfarrer. Die restlichen Gebäudeteile wurden 1812 zunächst an private Unternehmer und dann an den Kanton Aargau verkauft. In der Folge verfiel die Propstei in einen Dornröschenschlaf und 1962 wurde sogar ein Abriss der Anlage diskutiert. Schliesslich wurde die Propstei 1976 der Römisch-Katholischen Kirche im Aargau übereignet.
Architektur und Anlage
Es handelt sich um eine vierflügelige, gegen Süden geöffnete Anlage. Der nördliche Flügel wird durch die Kirche gebildet. Im Laufe der Zeit wurden Kirche und Wohngebäude mehrfach umgebaut und vergrössert. Nach der Aufhebung der Propstei im Jahr 1807 wurde das Gebäude lange Zeit vernachlässigt, sodass es sich Mitte des 20. Jahrhunderts in einem desolaten Zustand befand. Zwischen 1973 und 1976 erfolgte eine tiefgreifende Renovation. Die teilweise eingestürzten Gebäude wurden unter Leitung von Architekt Walter Moser (1931–2023) rekonstruiert und im Süden ein moderner Anbau verwirklicht.