Benediktinerabtei Muri
Heutige Nutzung
Die grosse Anlage der ehemaligen Benediktinerabtei Muri wird heute unterschiedlich genutzt. Teile der Anlage werden durch die Stiftung Murikultur (Musik, Museen, Ausstellungen, Literatur und Theater) kulturell bespielt. Im Museum Kloster Muri ist ein Teil des früheren Kirchenschatzes ausgestellt und es lässt sich die glanzvolle Zeit des Klosters entdecken. In der ehemaligen Klosterkirche werden Konzerte aufgeführt und Gottesdienste gefeiert. Die Loretokapelle dient seit 1971 als Familiengruft des österreichischen Hauses Habsburg. Ab 1957 bis 2022 unterhielten die Benediktiner aus Muri-Gries ein Hospiz in Muri.
Im Ostflügel ist seit 1909 ein Pflegeheim für rund 200 Pflegebedürftige untergebracht, die «Pflegimuri». Der Konventsflügel dient als Primarschule und im Südflügel sind die Gemeindeverwaltung sowie Ämter des Bezirks Muri untergebracht.

Kantonale Denkmalpflege Aargau.
Kloster Muri von Südosten. Kupferstich von Matthäus Merian (1654), ab Glasdia.
Geschichte
Die Abtei Muri wurde 1027 von den frühen Habsburgern gegründet. Der Legende nach kam die Anregung von Ita von Lothringen, der Gemahlin des Grafen Radbot von Habsburg. Im 11. und 12. Jahrhundert war Muri ein Doppelkloster. Der Frauenkonvent wurde Ende des 12. Jahrhunderts nach Hermetschwil verlegt. Mehrfach hatte das Kloster im Mittelalter und zur Zeit der Reformation unter Bränden und Plünderungen zu leiden. Im Laufe des 17. Jahrhundert erlangte die Abtei grosses Ansehen, Abt Plazidus Zurlauben (Abt von 1684–1723) erhielt 1701 vom Kaiser sogar den Fürstentitel verliehen.
Bis zur Aufhebung 1841 durch den Kanton Aargau war die Abtei Muri politisch und kulturgeschichtlich sehr einflussreich, und das über das Freiamt hinaus. Nach 1841 übernahmen die Benediktiner zunächst das kantonale Kollegium in Sarnen OW, das sie bis 1973 führten. 1845 übersiedelte der Konvent nach Gries bei Bozen (Italien), wo sie die bis heute bestehende Benediktinerabtei Muri-Gries gründeten.
Architektur und Anlage
Das mittelalterliche Klostergebäude wurde auf dem Höhepunkt der Macht unter Abt Plazidus Zurlauben Ende des 17. Jahrhunderts zu einer repräsentativen Barockanlage umgebaut. Auch die Klosterkirche wurde zu einem grossartigen Kuppelbau umgestaltet. Als Architekt wirkte der Tessiner Giovanni Battista Bettini (nachgewiesen 1687–1701). Schon 1789 beschlossen die Mönche einen nächsten Neubau. Die Planung sah ein frühklassizistisches Riesenprojekt vor mit rund 400 Räumen. Hiervon wurden bis zur Französischen Revolution nur der schlossartige Osttrakt und der Südflügel vollendet. Die Schaufront des Osttrakts ist mit einer Länge von rund 222 Metern die grösste historische Architekturfassade der Schweiz.
Im gotischen Kreuzgang kann eine der bedeutendsten Glasgemäldesammlungen der Schweiz aus der Renaissance betrachtet werden. Und um die Gebäude herum existieren weitläufige Garten- und Parkanlagen, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts rekonstruiert wurden.